Wie werden Globuli richtig dosiert?

Im Akutfall möchte man eine schnelle Besserung. Hahnemann warnt im Organon der Heilkunst aber davor, Globuli innerhalb von Tagen oder Stunden zu wiederholen. Wie können Mittel also bei akuten Beschwerden mehrmals täglich gegeben werden ohne dass es zu einer sogenannten Arzneimittelprüfung kommt?

Unterschied Homöopathie und Naturheilmittel oder Medikamente
Die Dosierung von homöopathischen Globuli ist für Laien völlig ungewohnt. Jede andere Medizin gibt man zweimal oder dreimal täglich ein paar Tage lang und man macht natürlich erst recht weiter, wenn sich die Beschwerden bessern.
Wenn Patienten das erste mal hören, dass sie Globuli absetzen sollen sobald eine Besserung eingetreten ist, dann gucken sie völlig ungläubig. Wir alle haben die Tendenz etwas was geholfen hat doch unbedingt weiter einzunehmen, damit „es“ auch sicher gut bleibt. Aber mit homöopathischen Mitteln nimmt man ja nicht eine Substanz ein die im Körper chemisch eine Wirkung entfaltet. Homöopathische Mittel übertragen eine Information auf die der Körper reagieren soll. Sobald er reagiert, ist die Information angekommen, der Körper arbeitet und jede weitere Information könnte „stören“. Trockene Globuli werden also einmal verabreicht und dann wartet man ab. Wie ist das aber bei hochakuten Krankheiten? Bei 39 Grad Fieber? Bei unstillbarem Husten und furchtbaren Halsschmerzen?

Richtige Dosierung
Wenn man dieselben Globuli öfters geben möchte, dann nur im Abstand von mehreren Tagen oder gar Wochen. Bei akuten Beschwerden, wenn die Heilung sonst zu langsam vor sich ginge, dann wird das Mittel in Wasser (1 – 2 dl) aufgelöst und vor jeder Einnahme entweder kräftig geschüttelt oder mit dem Löffel durchgequirlt. So kann ein Mittel bis zu mehrmals täglich wiederholt werden ohne die negativen Folgen, die Hahnemann in den beiden Paragraphen erwähnt. Spätestens nach der dritten Einnahme muss eine Besserung eintreten, sonst ist das Mittel nicht genügend passend für die Krankheit. Sobald eine Besserung spürbar ist, wartet man ab und wiederholt erst, wenn die Besserung stehen bleibt oder wenn die Beschwerden wieder stärker werden. Zwei bis dreimal täglich reicht bei den meisten Akutkrankheiten. Falls nötig darf aber auch alle 15 – 30 Min. wiederholt werden. Mittel die zu oft wiederholt werden, bewirken irgendwann eine Arzneimittelprüfung, d.h. der Patient entwickelt Symptome des Mittels. Die Dosierung für Kinder und Erwachsene ist dieselbe, da in der Homöopathie nicht mit pharmazeutischen Substanzen sondern mit Informationen behandelt wird.

Diese Anleitung beruht auf den Paragraphen 246 und 247 des:

Organon der Heilkunst – Wiederholung einer Arznei

Samuel Hahnemann der Begründer der Homöopathie hat jahrelang mit seinen Mitteln in der Praxis gearbeitet, bis er die genauen Einnahmevorschriften für die Einnahme von Globuli in seinem Organon der Heilkunst niederschrieb. Seine Sprache ist allerdings heute schwer verständlich:

Organon §246:
„Jede, in einer Cur merklich fortschreitende und auffallend zunehmende Besserung ist ein Zustand, der, so lange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arznei-Gebrauchs durchgängig ausschliesst, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortführt, hier seiner Vollendung zueilt. Dies ist in akuten Krankheiten nicht selten der Fall; (…) Und dieß läßt sich auch, wie neueste, vielfach wiederholte Erfahrungen mich gelehrt haben, recht glücklich ausführen, unter folgenden Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens, wenn sie hoch potenzirt, in Wasser aufgelöst und in gehörig kleiner Gabe in, von der Erfahrung als die schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen zur möglichsten Beschleunigung der Cur gereicht wird, doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprincip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodificirt erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht“

Organon §247:
„Ganz dieselbe, unabgeänderte Gabe Arznei, selbst nur einmal, geschweige viele Male nach einander (und, wenn die Cur nicht verzögert werden soll, in kurzen Zeiträumen) zu wiederholen, bleibt ein unausführbares Vorhaben. Das Lebensprincip nimmt solche ganz gleiche Gaben nicht ohne widerstreben an, das ist, nicht ohne andere Symptome der Arznei laut werden zu lassen als die, der zu heilenden Krankheit ähnlichen, weil die vorige Gabe schon die von ihr zu erwartende Umstimmung des Lebensprinzips vollführt hatte, eine zweite, an Dynamnisation ganz gleiche, unveränderte Gabe derselben Arznei daher ganz dasselbe auf das Lebensprinzip nicht mehr auszuführen vorfindet. Nun kann der Kranke durch eine solche unabgeänderte Gabe nur noch anders krank, im Grunde nur kränker werden als er schon war, indem jetzt nur diejenigen Symptome derselben Arznei zur Wirkung übrig bleiben, welche für die ursprüngliche Krankheit nicht homöopathisch sind, also kann auch kein Schritt vorwärts zur Heilung, sondern nur wahre Verschlimmerung des Kranken erfolgen. Sobald man aber die folgende Gabe jedesmal in ihrer Potenz um etwas abändert, das ist, etwas höher dynamisirt, (§. 269., 270.) so läßt das kranke Lebensprinzip sich unbeschwert ferner durch dieselbe Arznei umstimmen (sein Gefühl von der natürlichen Krankheit ferner vermindern) und so der Heilung näher bringen.“